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SPIELETEST
Dante's Inferno
Die „Göttliche Komödie“ von Dante Alighieri kennt praktisch jeder, auch wenn sie vermutlich die wenigsten jemals gelesen haben. Die Damen und Herren bei Visceral Games gehören jedoch offensichtlich nicht zu dieser Gruppe: Sie haben aus dem Inhalt der „Divinia Commedia“ ein ganz nettes Spiel gebastelt. Dieses hört auf den Namen „Dante's Inferno“ und lässt euch in der Haut von Dante die neun Zirkel der Hölle bereisen, um dem Teufel in den Hintern zu treten und eure Frau Beatrice aus seinen Fängen zu retten. Erfreulich ist, dass die „Göttliche Komödie“ nicht als Vorwand für irgendein ansonsten gehaltloses PR-Geblubber missbraucht wird. Die in ihr verwendeten Bilder sind auch im Spiel omnipräsent. Erzählt wird die Geschichte zum großen Teil mit tollen Comic-Zwischensequenzen, außerdem ist das Design der Hölle richtig schauderhaft. So hat man sich diesen Ort damals wirklich vorgestellt! Noch vor rund 100 Jahren wurden Kinder bereits kurz nach der Geburt getauft, um sie für den Fall eines viel zu frühen Todes zu wappnen. Anfang des 20. Jahrhunderts hatten die meisten Christen noch Angst und Respekt vor Gott, heute erdreisten sich einige, sich im Tempel von Jerusalem als „Gott“ anbeten zu lassen – zumindest im übertragenen Sinne. Ha! Okay, jetzt dürfte ich eure volle Aufmerksamkeit genießen. Sofern ihr nun nicht zu schockiert seid, solltet ihr auf jeden Fall weiterlesen!

„Dante's Inferno“ ist unzweifelhaft episch, doch das Gameplay kann mit der Geschichte und ihren Bildern leider nicht ganz mithalten. Das Spiel bietet „Hack & Slash“ – Action in Reinform, ganz so wie Sonys „God of War“. Ihr bekommt es mit den absurdesten Gegnern zu tun und müsst euren Kampfstil an jeden Feindestyp anpassen. Zu Beginn schwingt ihr „einfach irgendwie“ die Sense des Todes, doch mit der Zeit schaltet ihr neue Techniken und Zaubersprüche frei. Das sorgt dann für etwas Abwechslung, doch problematisch ist halt, dass ihr nach rund drei Stunden kaum noch mit wirklich „innovativen“ Feinden konfrontiert werdet – das saugt natürlich an der Motivation. Ärgerlich ist zudem, dass ihr einige billige Tode sterbt. Es passiert immer wieder, dass ihr gerade so richtig schön ausholt, euch dann aber einen fangt, ihr zurückgeworfen und binnen Sekunden geplättet werdet. Probleme könnt ihr auch bekommen, wenn ihr euren Kreuzangriff gezielt gegen einzelne Feinde einsetzen wollt – das klappt nämlich nicht. Die Zielerfassung verläuft automatisch, im schlimmsten Fall beschießt ihr also nicht den komischen Vogel am Himmel, der irgendetwas in eure Richtung abfeuert, sondern das Kriegerlein drei Meter weiter links. Sofern ihr noch unerfahren mit diesem Genre seid, solltet ihr euch auf jeden Fall für einen der beiden niedrigeren Schwierigkeitsgrade entscheiden, um nicht zu viel Frust erleben zu müssen.

Wiederum richtig gut in Szene gesetzt sind die Bosskämpfe. In diesen ist stets nicht nur die richtige Taktik von Nöten, sondern ihr müsst auch regelmäßig „Quick Time Events“ bestehen. Drückt ihr einmal die falsche Taste, bekommt ihr einen auf die Rübe gehauen und müsst es sogleich noch einmal probieren. Seid ihr erfolgreich, werdet ihr mit einer fiesen Sequenz „belohnt“. Beeindruckend ist, dass ihr mit dem rechten Analogstick NICHT die Kamera kontrolliert, sondern ein schnelles Ausweichmanöver durchführt. Das ist wirklich clever und erleichtert euch das Leben manchmal ungemein. Über die Kamera habt ihr jedoch entsprechend keine Kontrolle, was aber nur dann störend wirkt, wenn ihr mal etwas genauer betrachten möchtet. „Dante's Inferno“ bietet nun aber auch einige Puzzles, wobei eigentlich alle sehr einfach zu lösen sind. Die Entwickler wollten das Gameplay wohl etwas auflockern, doch hätten sie sich hierbei mehr Mühe geben sollen: Simple Schiebe-Puzzles sind seit Jahren „out“! Ganz unterhaltsam ist dafür die Suche nach geheimen Gegenständen. Zwar ist das Spiel stets sehr geradlinig, doch wenn ihr eure Augen nicht offen haltet, verpasst ihr schnell zum Beispiel eine Judas-Münze oder ein Artefakt.

Die Moral spielt in „Dante's Inferno“ eine große Rolle, auch wenn die meisten Bilder das gar nicht erwarten lassen: Im Laufe eures Abenteuers trefft ihr beispielsweise auf Pontius Pilatus – selbst wenn ihr im Religionsunterricht damals in der Schule immer geschlafen haben solltet, müsstet ihr dieses Früchtchen kennen. Ihr wisst, was er getan hat, aber könnt ihr ihm dennoch vergeben und ihn erlösen, ihm also den Aufstieg in den Himmel ermöglichen? Lasst ihr euch von Rachegelüsten leiten oder folgt ihr dem, was Jesus vor rund 2000 Jahren gepredigt hat? Leider bewegen eure Entscheidungen keine Welten, doch schaltet ihr so neue (un-)heilige Techniken frei, die ihr dann mit erbeuteten Seelen einsatzbereit machen könnt. Am Rande sei an dieser Stelle erwähnt, dass ihr über das PlayStation Network bzw. Xbox Live sogenannte Seelenpakete kaufen könnt. Ob ihr das nun aber als sinnvoll erachtet oder für Abzocke haltet, müsst ihr mit euch selbst ausmachen. In der näheren Zukunft wird es jedoch auch richtige Spielerweiterungen geben. Doch auch ohne diese ist „Dante's Inferno“ relativ umfangreich. Für den ersten Spieldurchgang benötigt ihr gut und gerne zehn Stunden und es besteht durchaus der Anreiz, das Spiel anschließend noch einmal auf einem der höheren Schwierigkeitsgrade durchzuspielen. Optisch ist „Dante's Inferno“, wie bereits gesagt, beeindruckend. Auch die tonale Untermalung ist nicht von schlechten Eltern. Nur die deutsche Stimme von Dante klingt etwas komisch, aber das lässt sich verkraften.
 
Autor: Frederik  Seite: [1] [Fazit/Wertung]
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