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SPIELETEST
Saints Row (Deutsche Version)
Das erste Next Generation „Grand Theft Auto“ wird erst im Herbst 2007 erscheinen und bis da ist es ja noch etwas hin. Viele von euch spielen noch „Grand Theft Auto: San Andreas“, was sicherlich eine gute Entscheidung ist, doch kann man ja mal etwas Neues probieren – zumindest wenn man eine XBox 360 hat. Für diese hat THQ nämlich unlängst „Saints Row (Dt.)“ veröffentlicht, ein Spiel ganz im Stile von „Grand Theft Auto“ – man kann zweifelsohne von einer Kopie sprechen, doch keineswegs von einer billigen. „Saints Row (Dt.)“ hat viel beim Vorbild abgeschaut, doch bietet es gewisse Eigenständigkeiten, welche die sehr gute Qualität zwar nicht im Kern ausmachen, aber maßgeblich an ihr beteiligt sind. Zu Beginn des Spiels könnt ihr das Aussehen eures Charakters maßgeblich frei bestimmen. Die Möglichkeiten scheinen unbegrenzt und unter Umständen werden eure Wahlen den späteren Spielverlauf beeinflussen.

Angemerkt sei hier aber, dass ihr euer Aussehen im späteren Spielverlauf ändern könnt. Nicht nur mit neuen Klamotten wie in „GTA“, sondern auch mit Schönheitsoperationen. Die kosten aber ordentlich Kohle! Zu Beginn des Spiels sitzt euer Alter Ego gewaltig in der Klemme, jedoch wird er von Julius gerettet. Dieses Kerlchen gehört zur 3rd Street Saints Bande, einer der vier großen Gangs in Stilwater (so der Name der fiktiven Stadt). Die 3rd Street Saints stehen natürlich im Clinch mit den anderen Gangs. Sämtliche Banden unterscheiden sich in Aussehen und Interessen. Die Los Carnales stehen z. B. in Zusammenhang mit der Drogenmafia, die Westside Rollerz stehen auf illegale Straßenrennen und die Vice Kings haben ein eigenes Plattenlabel und pimpen sich Klamotten-technisch. Auch wenn euch am Anfang Julius von den 3rd Street Saints rettet, so seid ihr dennoch nicht fest an ihn gebunden. Wie in „GTA 2“ könnt ihr für alle Gangs arbeiten.

Aber wie ebenfalls in „GTA 2“ müsst ihr euch dafür erst einmal den nötigen Respekt erarbeiten. Das zweifelsohne Interessante daran ist, dass ihr auf Nebentätigkeiten angewiesen seid und nicht einfach mal eben nebenbei die Story durchspielen könnt. Ihr könnt nicht von Story-Mission zu Story-Mission springen. Das wäre ja auch unlogisch, denn alle Gangs geben euch Story-Missionen und wenn ihr für eine Gang gearbeitet habt, wird das den anderen kaum gefallen haben und das bringt eben keinen Respekt. In den Story-Missionen bringt ihr Leute um, rast durch die Gegend oder beschützt die Dealer eurer Gang. In den Nebenmissionen hingegen könnt ihr sogar Versicherungsbetrug begehen, in dem ihr euch vor fahrende Autos werft. Das bringt teilweise ordentlich Respekt! Auch gewisse Outfits oder Gräueltaten kommen bei manchen Ganoven gut an.

In „Saints Row (Dt.)“ könnt ihr wie in „GTA“ alle beliebigen Autos klauen, doch wird euch eine Sache ziemlich schnell auffallen: Das Handling der verschiedenen Wagen ist äußerst gut gelungen und mit etwas Eingewöhnungszeit steuert man den jeweiligen Wagen bald instinktiv. Zudem ist auch die Auswahl an Wagen sehr groß. Eine spezielle Parallele zu „GTA: San Andreas“ ist die, dass euch manchmal bis zu drei Gangmitglieder begleiten und euch bei den zahlreichen Feuergefechten tatkräftig unter die Arme greifen. Sollten sie mal fallen, könnt ihr sie kurzerhand wieder beleben. Und solltet ihr mal dran glauben, könnt ihr die Mission umgehend erneut angehen. Um das aber zu verhindern, könnt ihr Essen bei euch tragen, welches eure Lebensenergie schnell wieder auffüllt. Solltet ihr über einen gewissen Zeitraum hinweg nicht verletzt werden, heilt ihr euch auch wieder von alleine.

Ein klarer Vorteil gegenüber „GTA“ ist die superbe Karten-Funktion. Mit einem simplen Tastendruck ruft ihr die Karte der Stadt auf und sehr nicht nur die Stadtkarte selbst, sondern auch den optimalen Weg um ans Ziel zu kommen. Es ist keineswegs so, dass ihr diesem folgen müsst, doch erleichtert er euch das eine oder andere Mal eure Aufgaben. Zudem könnt ihr auch Wegpunkte setzen, was ebenfalls teilweise sehr hilfreich ist. Ein weiterer Vorteil gegenüber „GTA“ ist, dass ihr euren Spielstand überall speichern könnt und dafür nicht unbedingt zum Versteck fahren müsst. In diesem könnt ihr im Übrigen ordentlich Waffen lagern und bei Bedarf wieder hervorholen. Das ist auf jeden Fall ein Luxus, den man nie wieder missen möchte.

Etwas ärgerlich ist dafür, dass gewisse aus „GTA“ bekannte Dinge fehlen. Es gibt keine Boote, keine Motorräder, keine Flugzeuge, keine Polizei-Missionen, keine Feuerwehr-Missionen und keine Krankenwagen-Mission. Wenn die Entwickler schon dreist von Rockstar klauen, sollen sie das doch bitte in allen Konsequenzen machen. Ebenfalls auffällig ist, dass die Stadt nicht sonderlich groß ist und ihr ratz fatz vom einen ans andere Ende kommt. Versteht das bitte keinesfalls falsch – die Stadt ist nicht „klein“, doch auch nicht so groß, wie man es von einem Next Generation-Spiel erwartet hätte. Dafür bietet „Saints Row (Dt.)“ aber den rabenschwarzen Humor, den man auch aus „GTA“ kennt. Das ganze Spiel nimmt sich selbst nicht allzu ernst und immer wieder trefft ihr auf Gags. Extrem brutal ist das Spiel dennoch und geizt nicht mit Gewaltdarstellung.

Ich hatte die Missionen des Spiels bereits einmal angesprochen, doch möchte ich an dieser Stelle noch einmal deutliche Kritik äußern. Im Grunde bestehen die Hauptmissionen entweder aus schießen oder fahren oder aus beidem. Originalität, wie sie „GTA“ regelmäßig bietet, sucht ihr in „Saints Row (Dt.)“ leider vergebens. Und das ist zweifelsohne die Hauptmacke des Spiels, da gibt es für mich gar keine Zweifel. Ebenfalls zu kritisieren ist, dass die Polizei in der Regel ziemlich lasch ist und nur selten für euch eine große Herausforderung darstellt. „GTA“ war hier grundsätzlich anspruchsvoller. Aber im Gegensatz zu „GTA“ bietet „Saints Row (Dt.)“ einen interessanten Mehrspieler-Modus. Diesen könnt ihr mit bis zu zwölf Leuten online oder mittels System Link spielen. In den Mehrspieler-Modi sammelt ihr Ketten, tragt Deathmatches aus oder versucht den Zuhälter der Gegenseite über den Haufen zu schießen. Zwei Spieler können aber auch zusammen bestimmte Missionen kooperativ spielen.

Leider scheint es bei den Online-Spielen noch einige Probleme zu geben. Verbindungsfehler und Lags treten leider immer wieder auf. Doch die Entwickler wollen dies bald mit einem Patch beheben. Ansonsten ist die Technik von „Saints Row (Dt.)“ aber sehr eindrucksvoll und der von „GTA: San Andreas“ klar überlegen. Aber das dürfte niemanden wundern, eher wäre es verwunderlich, wenn die Technik nicht besser wäre, denn immerhin haben wir hier ein Next Generation-Spiel vor uns liegen. Besonders in HD wirkt das Spiel sehr scharf, nur vermisst man manchmal etwas detailreichere Texturen. Die Musik des Spiels kommt wie in „GTA“ von abwechslungsreichen Radiostationen und kann durchweg überzeugen. Das gilt auch für die sonstigen Soundeffekte wie Explosionen oder Schüsse.
 
Autor: Frederik  Seite: [1] [Fazit/Wertung]
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